Der Ortsteil

Die Bauerschaft Afferde war stets eng mit der Stadt Unna verbunden gewesen. Wie die Dörfer Uelzen, Niedermassen und Obermassen gehörte auch Afferde zum alten Kirchspiel Unna. Verwaltungsmäßig war Afferde anfangs dem märkischen Amt Unna eingegliedert. Während der französischen Herrschaft ging 1808 die Grafschaft Mark in dem neugeschaffenen Großherzugtum Berg auf, das nach französischem Vorbild in Departements, Arrondissements, Kantone und Mairien aufgeteilt wurde. Afferde lag nun im Bereich der Mairie Unna. Nach Beseitigung der Fremdherrschaft blieb diese französische Verwaltungsorganisation bestehen, doch rückte 1817 an die Stelle des französischen Ausdrucks ,,Mairie“ die deutsche Bezeichnung ,,Bürgermeisterei“, die später durch ,,Amt“ ersetzt wurde. Das Amt Unna wurde im Jahre 1845 mit dem Amt Kamen zum Amt Unna-Kamen vereinigt; diesem Verwaltungsbezirk gehörte die Dorfgemeinde Afferde bis zu seiner Auflösung zu Ende des Jahres 1967 an.

Erst die Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen vom 31. Oktober 1841 schuf die gesetzlichen Grundlagen für die Bauerschaften, selbständige politische Landgemeinden mit eigener Haushaltsführung zu werden. In Afferde war die Einführung der Landgemeindeordnung am 14. Dezember 1843 vollzogen. Die Gemeindeverordnetenversammlung war jedoch schon am 31. Oktober 1843 zum ersten Male zusammengetreten. In ihr wurden gemeindliche Angelegenheiten beraten und beschlossen. Ihr gehörten damals der Gemeindevorsteher Achterschulze sowie die Gemeindeverordneten Haarmann, Vorschulze, Overbeck und Schulze-Vaersthausen an, während der Amtsbürgermeister Wulff die Sitzungen leitete. Nach Einrichtung der Personenstandsregister wurde 1874 der damalige Gemeindevorsteher, der Mühlenbesitzer Wilhelm Enselmann, zum Standesbeamten für Afferde gewählt.

Als Gemeindevorsteher waren seit 1843 in Afferde tätig: Landwirt Achterschulze 1843 – 1848, Landwirt Vorschulze 1849 – 1856, Mühlenbesitzer Wilhelm Enselmann 1858 – 1876, Landwirt Overbeck 1876 – 1885, Landwirt Heinrich Kuhlmann 1886 – 1894, Landwirt Karl Lindemann 1894 – 1929.

Nach den Gemeinderatswahlen vom 17. November 1929 wurde in der Sitzung am 11. Dezember der neue Gemeindevorsteher gewählt. Dabei erhielten der Bergmann Heinrich Kaiser und der Landwirt Wilhelm Heing je drei Stimmen, womit zum ersten Mal in der Afferder Geschichte ein Angehöriger des Arbeiterstandes fast das Amt des Gemeindevorstehers erhalten hätte. Das Los entschied jedoch für Wilhelm Heing, der dieses Amt bis zum 12. April 1933 bekleidete. Ihm folgte vom 13. April 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges der Landwirt Karl Hagenberg, der von 1934 bis 1935 die Bezeichnung Gemeindeschulze und seit 1935 den Titel Bürgermeister führte. Ihm zur Seite standen zwei Beigeordnete; die Gemeindeverordneten nannten sich in diesen Jahren Gemeinderäte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bergmann Otto Drees von der britischen Militärregierung als Bürgermeister für Afferde eingesetzt. Die erste Sitzung eines neuen Gemeinderates fand am 10. April 1946 statt. Die erste demokratische Gemeindevertreterwahl nach dem Kriege am 15. September 1946 erbrachte der SPD 5, den Unabhängigen 4 Sitze. Auf der ersten Sitzung dieser neuen Vertretung am 7. Oktober 1946 wurde der Bergmann Franz Gierusz zum Bürgermeister gewählt. Er hatte dieses Amt bis zum 15. Oktober 1964 inne. Nach den Kommunalwahlen vom 27. September 1964, den letzten in der selbständigen Gemeinde Afferde, folgte ihm der Bergmann Erwin Schäfer, der das Bürgermeisteramt bis zur Auflösung der Gemeinde Afferde am 31. Dezember 1967 bekleidete. Außer ihm (SPD) gehörten folgende Bürger der letzten Afferder Gemeindevertretung an: Johann Malhöfer, SPD, Franz Szidat, SPD, Frau Mimi Faber, SPD, Wilhelm Kötter, FDP, Wilhelm Krückmann, FDP, und Adolf Jaques, CDU.

Bei der Eingliederung von Afferde in die Stadt Unna 1968 wurde festgelegt, nach den Kommunalwahlen für die laufende und die beiden folgenden Wahlperioden einen Ortsvorsteher für Afferde einzusetzen. Diese ersten Wahlen nach der Neugliederung des Kreises Unna fanden am 10. März 1968 statt. In der Ratssitzung am 22. März 1968 wurden neben dem Bürgermeister der Stadt Unna auch die Vorsteher für die eingegliederten Orte gewählt. Zum Ortsvorsteher für Afferde fiel dabei die Wahl auf den bisherigen Afferder Gemeindebürgermeister Erwin Schäfer. Seine Nachfolge übernahm am 11. März 1971 Karl Goldschmidt, der dieses Amt heute noch wahrnimmt. (is Mai 1981)

Der Zusammenschluß mit der Stadt Unna

Die geplante Neuordnung im Landkreise Unna kam am 14. Februar 1966 in der Afferder Gemeindevertretung erstmals zur Sprache. Dabei war man sich darüber einig, daß eine sinn- und planvolle Neuordnung grundsätzlich zu bejahen sei, sprach sich jedoch gegen eine überstürzte Umgliederung aus. Die Gemeindevertretung erklärte sich bereit, wegen einer vernünftigen Zukunftsplanung mit den Nachbargemeinden zusammenzuarbeiten. Doch sah sie damals keine Veranlassung, ,,den jetzigen Verwaltungsraum des Amtes Unna-Kamen, der sich zweifelsohne bewährt hat, zu verlassen“.

Die Neuordnungsplanungen entwickelten sich aber rascher als man ursprünglich angenommen hatte. Es kam zu verschiedenen Besprechungen beim Amt und mit der Stadt Unna, die sich im Mai 1966 bereiterklärte, mit Afferde eine Verwaltungsgemeinschaft einzugehen. Aus diesem Grunde hob die Afferder Gemeindevertretung am 2. Juni 1966 ihren Beschluß vom Februar wegen des Verbleibens im Amtsverband wieder auf und gab nun ihre Zustimmung, mit Wirkung vom 1. Januar 1967 aus dem Amt Unna-Kamen auszuscheiden und mit der Stadt Unna eine Verwaltungsgemeinschaft einzugehen mit dem Ziel eines späteren völligen Zusammenschlusses.

Diesem Beschluß stimmte die Amtsvertretung grundsätzlich zu, doch legte sie als Zeitpunkt der Ausamtung den 31. Dezember 1967 fest, da zu diesem Termin als Folge des Ausscheidens mehrerer anderer Gemeinden das Amt Unna-Kamen ohnehin aufgelöst werden sollte. Wegen einer geordneten Abwicklung machte sich die Gemeindevertretung diesen Beschluß auch zu eigen.

In der Folgezeit wurde eine Vereinbarung ausgearbeitet, wonach die Gemeinde Afferde zum 1. Januar 1968 mit der Stadt Unna eine Verwa ltungsgemeinschaft eingehen und nach den Kommunalwahlen von 1969 der Stadt Unna eingegliedert werden sollte. Die weiteren Verhandlungen und Besprechungen überholten aber auch diesen Plan. Am 5. Juli 1967 beschloß die Gemeindevertretung den Zusammenschluß der Gemeinde Afferde mit der Stadt Unna zum 1. Januai 1968 und legte die Bedingungen dazu in einem Gebietsänderungsvertrag fest. Ein Auseinandersetzungsvertrag mit dem au fzu lösender Amt Unna-Kamen wurde am 17. August 1967 geschlossen.

Allerdings kam der Gebietsänderungsvertrag nicht mehr zur Durch- führung, da die Neugliederung des Landkreises Unna durch ein Gesetz des nordrhein-westfälischen Landtages vom 19. Dezember 1967 generell geregelt wurde. Dieses Gesetz, das im Entwurf der Gemeindevertretung am 17. August 1967 vorgelegen hatte, entsprach jedoch voll und ganz den Erwartungen der Gemeinde Afferde.

Durch dieses ,,Unna-Gesetz“ wurde Afferde wie die Gemeinden Hemmerde, Lünern, Massen, Mühlhausen, Siddinghausen, Stockum Uelzen und Westhemmerde (aus dem bisherigen Amt Unna-Kamen) und die Gemeinden Billmerich und Kessebüren (aus dem bisherigen Amt Fröndenberg) mit der amtsfreien Stadt Unna zu einer neuen amtsfreien Gemeinde zusammengeschlossen, die den Namen Unna trägt und die Bezeichnung „Stadt“ führt.

Am 21. Oktober 1967, fast 125 Jahre nach ihrer ersten Sitzung, trat die Gemeindevertretung von Afferde zum letzten Mal zusammen. Zum 1. Januar 1968 wurde die bisherige Gemeinde Afferde als Ortsteil Unna-Afferde der neuen Stadt Unna eingegliedert.

Die Afferder Schule

Schon um 1755 bestand, wie Johann Diederich von Steinen in seiner ,,Westphälischen Geschichte“ berichtet, in Afferde eine Schule. Wo damals allerdings der Unterricht abgehalten wurde, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Ein neues Schulhaus soll in Afferde gegen Ende des 18. Jahrhunderts am Mühlenbach erbaut worden sein. Johann Friedrich BaIs aus Dellwig ist der erste namentlich bekannte Lehrer an der Afferder Schule. Nach einem Bericht von 1798 war er damals 67 Jahre alt und 32 Jahre im Amt. Der Bericht bescheinigte ihm, er habe ,,die alte Methode, ist sonsten nach Vermögen fleißig“. In seiner Nachfolge nennt die 1876 angelegte Schulchronik die Lehrer Werth, Sprengbiel, Gerling, Jäger, Frackmann, Friedrich Wilhelm Lautenschläger, Heinrich Nuß (1869 – 1872), Theodor Storkebaum (1872 – 1874), Heinrich Reiser (1874 – 1909).